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Moosburg - eng mit der Geschichte Kärntens verbunden |
Das Moosburger Becken
Die Zentrallandschaft Kärntens ist das Klagenfurter Becken. Dieses wird
im Nordwesten durch Hügel und bis zu rd. 1100 m ansteigende Berge vom
Ossiacher See, vom oberen Glantal , aber auch vom Wörthersee getrennt.
Diese Hügel und Berge, gemeint sind der Bannwald, der Gallinberg, die
Anhöhe von Radweg, der Zingelsberg, der Gösselsberg, der Freudenberg
und der Bucher sowie der Seltenheimer Berg, sind nun so angeordnet, daß
sie ein nur durch den Einschnitt des Wölfnitz- oder Moosburger Baches
mit dem Klagenfurter Becken verbundenes kleineres Becken umschließen.
Die mittelalterlichen Pfarren Moosburg und Tigring umfaßten beinahe die
ganze Fläche dieses Beckens bzw. überschritten diese sogar im Westen
und Norden bis zur Glan.
Die Lage
Auf die Alte Moosburg als Mittelpunkt des
Beckens führten im Mittelalter 7 Altwege (heute sind es Straßen)
sternförmig zu. Die Alte Moosburg war von einem Kranz von Befestigungen
und Signalplätzen umgeben, was ihre Bedeutung für das Moosburger Becken
beweist.
Die heutige Marktgemeinde Moosburg trägt nicht nur den Namen
der einstigen Festung, sondern umfaßt auch noch einen erheblichen Teil
dieses Beckens. Aus den genannten Gründen soll dem geschichtlichen
Überblick nicht nur das Gemeindegebiet, sondern fallweise auch die
geographische Einheit des Moosburger Beckens zugrunde gelegt werden.
Die Besiedelung
Über die Besiedlung vor der Römerzeit kann nur wenig gesagt werden.
Bodenfunde, wie jungsteinzeitliche Keramik aus der Alten Moosburg, eine
bronzezeitliche Nadel aus Tigring sowie eine keltischen Lanzenspitze
aus Moosburg und der wahrscheinlich keltische Ortsname Tigring, zeigen
aber, daß das Moosburger Becken früh besiedelt war.
In der Römerzeit
führte eine Staats(heer)straße am Nordufer des Wörthersees entlang;
eine weitere führte am Nordrand unseres Beckens durch das Glantal. Etwa
bei Wernberg zweigte von der römischen Staatsstraße eine Nebenstraße ab
und querte über Stallhofen-Albern-Tigring das heutige Moosburger
Gemeindegebiet. Bei Tigring soll diese Nebenstraße eine vom Glantal
kommende Straße gekreuzt haben, woran dort seit einigen Jahren ein
Stück „Römerstraße“ und ein „Meilenstein“ erinnern.
Auf dem Kirchhügel
von Tigring dürfte ein römischer Gutshof gestanden sein, denn dort
wurden u.a. eine griechisch-römische Reiterstatuette und ein marmorner
Cäsarenkopf gefunden.
Ein Römerstein ziert selbst das Kirchlein von
Nußberg; aber geradezu eine Kollektion verschiedener Römersteine stammt
aus Moosburg selbst. Da einige davon bei Aushubarbeiten als Bruchstücke
gefunden wurden, sind sie nicht von irgendwoher herangeschleppt worden,
sondern standen einst hier als Weiheinschriften und Grabdenkmäler.
Auch
in St. Peter bei Moosburg gibt es Reste antiker Marmorbauteile.
Wie
Grabbeigaben von St. Peter bei Moosburg, manche Flurnamen (Gallinberg
als Walenberg?) und einzelne mittelalterliche Personennamen vermuten
lassen, dürfte im Moosburger Becken eine romanische Restbevölkerung die
Völkerwanderung überlebt haben. Diese Vorbevölkerung wurde durch eine
awarisch-slawische Herrenschicht überschichtet. Der Ortsname Faning, d.
i. der Ort eines awarischen Bans (Fürsten), erinnert daran. Die
Beteiligung slawischer Bauern an der mittelalterlichen Rodung ist aus
so manchem Flur- und Hausnamen (z. B. Gradisch als Siedlung bei der
Burgstätte, Kraßnitz als „Schöntal“, vlg. Kraut, d. i. Kroate)
erkennbar.
Karantanien
Um die awarischen Herren abzuschütteln, hatte schon 741/743
die slawische Oberschicht der Karantanen die Baiern zu Hilfe gerufen.
Die Baiern kamen, vertrieben die Awaren und begannen ebenfalls im Lande
zu siedeln. Moos für Moor ist bairisch, der Name der Moosburg daher
ebenso althochdeutsch wie der von Ameisbichl, das ursprünglich
Salmannsbichl hieß. Im Grunde wissen wir über die slawisch-bairische
Zeit Karantaniens recht wenig. Urkunden fehlen und die oft zitierte,
aber als Quelle problematische „Conversio“ (Bekehrungsgeschichte der
Baiern und Karantanen) nennt in Karantanien nur drei Kirchen, aber
keine einzige Burg oder sonstige Siedlung. Auch die Kärntner Moosburg,
deren Existenz im 9. Jahrhundert zumindest als Fluchtburg heute
wissenschaftlich unbestritten ist, nennt sie nicht.
Konkretes Wissen
bringen uns erst die Urkunden, Annalen und Chroniken der
Karolingerzeit, und zwar vor allem für die zweite Hälfte des 9.
Jahrhunderts.
Ab 856 ist der karolingische Prinz Karlmann, der bald den Schwerpunkt
seiner Macht nach Karantanien verlegt, Chef des bairischen Ostlandes.
Als er seinem Vater, König Ludwig dem Deutschen, zu mächtig wird,
beschenkt der König im Machtbereich des Sohnes das ihm treu ergebene
Erzbistum Salzburg sehr reich, so auch in Mittelkärnten, u. a. mit
Maria Saal. Es kommt zum offenen Konflikt zwischen dem König und dem
Prinzen Karlmann, der sich vor dem Zorn des Vaters erschreckt nach
Kärnten zurückzieht, um hier von seinen Anhängern geschützt zu werden.
Die Karnburg ist schlecht zu verteidigen und liegt zudem dem
salzburgischen Maria Saal zu nahe.
Diese Situation macht die Moosburger
Gründungssage glaubwürdig.
Die Moosburger Gründungssage
Bei Lazius, einem kaiserlichen Bücher- und Handschriftensammler, der
1549 in Ossiach war und die Alte Moosburg gesehen hat, lesen wir
erstmals die Nachricht, daß der Karolinger Karlmann (gest. 880) die
Alte Moosburg gemeinsam mit einer Kirche errichtet habe.
1612 berichtet
das Geschichtswerk „Annales Carinthiae“ zusätzlich, daß die edle
Liutswinde, die Friedelfrau Karlmanns, aus Moosburg gestammt habe.
In
einem Buch über die Geschichte des Stiftes Ossiach von 1689 sagt der
Ossiacher Prior Wallner, es bestehe kein Zweifel, daß Karlmann und sein
von der Kärntnerin Liutswinde geborener Sohn Arnulf in der Moosburg
gelebt habe. Die Nachricht, daß der spätere römische Kaiser Arnulf von
Kärnten (ca. 850-899) in dieser Moosburg auch geboren wurde, findet
sich erstmals 1815 in der historischen Literatur. All diese Angaben
gehen über das, was der Zeitgenosse und Vertraute des Kaisers Arnulf,
Abt Regino von Prüm, in seinem Chronicon zum Jahre 879/880 bringt,
hinaus. Regino berichtet, König Ludwig d. J. habe Arnulf Karantanien
mit der durch Sumpf geschützten starken Festung Moosburg übergeben, wie
lange zuvor schon Karlmann, Arnulfs Vater. Tatsache ist, daß Karlmann,
als er König von Bayern geworden war, Karantanien und einige
Nebengebiete Arnulf überlassen hat. Die Moosburg war offenbar die
karantanische Landesfestung, vergleichbar mit Hochosterwitz ab dem 16.
Jahrhundert. Die zitierten frühen Kärntner Geschichtswerke fußen also
auf einer selbständigen Quelle, und das kann nur die bis heute
lebendige Volksüberlieferung sein. Da die Volksüberlieferung
geschichtliche Erinnerungen begreiflicherweise mit sichtbaren
Denkmälern verbindet und von der Alten Moosburg schließlich nur mehr
eine Turmruine übrigblieb, wurde die Erinnerung an den in Moosburg
geborenen Karolinger Arnulf schließlich mit diesem Turm verbunden und
die einst die ganze Feste Moosburg meinende Bezeichnung „Arnulfsfeste“
auf den Turm übertragen, der zutreffender auch Arnulfsturm heißt. Wie
die frühen literarischen Beispiele zeigen, wurde die Erinnerung an die
Karolinger Karlmann und Arnulf sowie an Liutswinde zwar als Teil der
Kärntner Geschichte betrachtet, aber immer mit der Moosburger
Karolingertradition verbunden.
Dr. Robert Svetina
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