Die Diagonale ist das renommierteste Filmfestival für den österreichischen Film in Graz und hatte in diesem Jahr eine Premiere aufzubieten – eine eigene Filmreihe zur Ortsmitten-Entwicklung im ländlichen Raum. Unter dem Titel „Und in der Mitte: Ein Wirtshaus – zwischen Tradition, Wandel und Zukunftsangst“ wurde die klassische Wirtshauskultur am Land beleuchtet, die sich stark im Wandel befindet. Steigende Kosten, veränderte Lebensgewohnheiten und gesellschaftliche Entwicklungen führen dazu, dass traditionelle Strukturen zunehmend unter Druck geraten. Gleichzeitig bleibt das Bedürfnis nach Begegnung, Austausch und Gemeinschaft – gerade in der Ortsmitte – ungebrochen.

Heidemarie Stuck war als Ortskernkümmerin der Gemeinde Moosburg zu Gast bei der begleitenden Podiumsdiskussion eingeladen, um aus ihrer Perspektive aus Moosburg darzustellen, wie man dieses Thema aktiv in die Hand nimmt und aus Leerstand wieder Leben in Ort und Gebäude bringt. Moosburg wurde dabei als positives Beispiel hervorgehoben, da die Gemeinde den Wandel aktiv gestaltet, anstatt ihn nur zu beklagen.

Sie brachte diesen Zugang in der Diskussion auf den Punkt: „Für mich gibt es keinen Leerstand, es gibt nur Leerraum. Im Leerstand steckt das Wort ‚Stand‘, etwas Starres. Im Leerraum hingegen steckt Bewegung und dort kann Neues entstehen. Und genau das ist mein Möglichmacher-Job: Menschen mit Ideen und Räume mit Potenzial zusammenzubringen.“

Dieser Perspektivenwechsel ist zentral für eine positive Entwicklung von Ortsmitten. Leerstehende Gebäude dürfen nicht als Problem, sondern müssen als Chance für neue Nutzungen, Kooperationen und innovative Konzepte gesehen werden. Durch aktive Vernetzung und gezielte Impulse kann es gelingen, den Ortskern lebendig zu halten und neue Formen der Begegnung zu schaffen, ganz im Sinne der ursprünglichen Funktion des Wirtshauses.

Bürgermeister Herbert Gaggl freut sich, dass Moosburg auf der großen Filmbühne als Vorbild dient und unterstreicht die Bedeutung dieses Ansatzes:  „Eine Gemeinde lebt nicht von Gebäuden, sondern von den Menschen, die sie nutzen. Unser Ziel ist es, durch aktives Gestalten, neue Ideen und gemeinsames Engagement Räume für Begegnung zu schaffen und langfristig zu sichern.“

Auch Vizebürgermeister Roland Gruber betont die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen:
„Die Diskussion in Graz hat klar gezeigt, dass man sich nicht auf der Vergangenheit ausruhen kann und es kein „Zurück zur guten alten Zeit“ mehr gibt. Wir in Moosburg zeigen, wie dieser Weg gelingen kann: durch Offenheit, kreative Ansätze und den Mut, Bestehendes neu zu denken. Die Rolle der Ortskernkümmerin ist dabei ein entscheidendes Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft.“